Der Fall bleibt in "Jehovas Hand"

Medienmitteilungen

GASTOPINIA - Missbrauchsopfer werden in der Kälte gelassen. Täter werden kaum jemals bestraft. Niemand wird vor dem Pädophilen gewarnt. Das Ergebnis eines internen Rechtsverfahrens, bei dem Polizei und Justiz nicht informiert werden. Ist Ihr Kind auch gefährdet?

Am Morgen sind sie am Bahnhof. Sie versuchen, Bücher an Passanten zu verkaufen. Am Sonntagmorgen rufen sie an Ihrer Tür an, während Sie schlafen möchten. Aber wer hätte gedacht, dass diese Gruppe eine Gefahr für Kinder sein könnte? "Ein Paradies für Pädophile", wie die Zeitung Trouw kürzlich schrieb?

Sexueller Missbrauch ist leider überall. Die Zeugen Jehovas sind keine Ausnahme. In persönlichen Gesprächen mit Missbrauchsopfern innerhalb der Zeugen höre ich immer wieder die gleiche Geschichte: Das Interesse der Organisation steht vor den Interessen der Opfer und der Sicherheit der Kinder. Gemeinde und Gesellschaft werden nicht vor einem Pädophilen in ihrer Mitte gewarnt. Dies gefährdet Kinder.

Eigenes Rechtssystem

Berichte über sexuellen Missbrauch werden geheim gehalten. Polizei und Justiz werden nicht informiert. Älteste gehen von der „Zwei-Zeugen-Regel“ aus: Ein Vorwurf wird bewiesen, wenn es zwei Zeugen gibt oder wenn der Täter gesteht. Sexueller Missbrauch ist aufgrund dieser Regel schwer zu beweisen. Immerhin erfolgt der Missbrauch im Geheimen. Die Täter üben Druck auf die Kinder aus, still zu bleiben. Wenn das Kind den Mut findet, sich zu äußern, findet eine Konfrontation statt. Vor dem Täter fragen Älteste nach intimen Details des Missbrauchs. Normalerweise bestreitet der Täter. Für die Opfer eine traumatische Erfahrung zusätzlich zum Missbrauch.

Ist der Missbrauch nicht bewiesen? Dann werden keine weiteren Maßnahmen ergriffen. Die Angelegenheit bleibt in der Hand Jehovas. Opfer und Eltern dürfen den Missbrauch nicht mit anderen besprechen. Der Täter bleibt ein angesehenes Mitglied der Gemeinschaft. Der Täter kann neue Opfer bringen, weil die Gemeinde nicht gewarnt wird. Diese Geheimhaltung hat oft weitreichende Konsequenzen für die Gesundheit und Entwicklung des Kindes.

Manchmal kann der Missbrauch nachgewiesen werden: Der Täter gesteht oder es gibt ein zweites Opfer. Mit Reue kann der Täter Mitglied ohne größere Konsequenzen bleiben. Ohne Reue wird der Täter aus der Gemeinschaft vertrieben. In beiden Fällen ist die Gemeinde nicht über den Missbrauch informiert.

In Ausgrenzung wird der Täter in die Gesellschaft entlassen. Niemand wurde gewarnt. Der Täter kann neue Opfer machen. Ihre Kinder sind dadurch in Gefahr!

Sorge

Als Lehrer bin ich sehr besorgt. Lehrer müssen den Schülern den Verdacht auf sexuellen Missbrauch melden. Eine Organisation, die mit Kindern zusammenarbeitet, hat die Verantwortung, Kinder vor Missbrauch zu schützen. Dies sollte auch für eine religiöse Organisation gelten! Älteste haben jedoch keine rechtliche Verpflichtung, den Behörden Missbrauch zu melden. Die Berichterstattung an weltliche Behörden würde Gottes Organisation untergraben. Opfer fühlen sich von der Berichterstattung gehemmt. Die Bedeutung einer religiösen Organisation steht über der Sicherheit von Kindern.

Sexueller Kindesmissbrauch innerhalb der Zeugen Jehovas betrifft die gesamte Gesellschaft. Straftäter, die sich frei bewegen, können überall Opfer werden.

In einer Petition fordere ich die Regierung auf, diesen schrecklichen Missbrauch zu untersuchen. Sie ziehen sicherlich auch das Interesse der Opfer an, aber auch das Interesse Ihrer eigenen Kinder?

Raymond Hintjes aus Roermond ist Philosophielehrer und ehemaliger Zeuge Jehovas.

Bisher veröffentlicht in: Brabants Dagblad

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